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Pressekonferenz Martin-Elsaesser-Stiftung

Am 7. Oktober 2009 wurde in der Residenz des Schweizerischen Generalkonsuls im Haus Höhenblick in Frankfurt-Ginnheim, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Elsaesser, die MARTIN-ELSAESSER-STIFTUNG der Öffentlichkeit vorgestellt.
Zunächst sprach Dr. Konrad Elsaesser, Mitglied des Vorstands der Stiftung

Ich bin Konrad Elsässer, ein Großneffe von Martin Elsaesser. Ich bin derjenige aus dem Vorstand der Martin-Elsaesser-Stiftung , der am längsten hier in Franfurt am Main lebt, arbeitet und jetzt auch vor Ort die Stiftung repräsentiert.

Als Pfarrer in Frankfurt-Bornheim habe ich leicht Zugang gefunden zu den großen öffentlichen Bauten von ME. Als Coach interessiert mich heute in besonderer Weise die Karriere, die Schaffenskurve von ME, aber auch die Einbettung seines Werkes in die Kultur, Gesellschaft und Politik unseres Landes.
Die MES ist für mich vor allem geschenktes Erbe, eine Gabe, die weiterzugeben und mit zu teilen mir lohnend erscheint.

Martin Elsaesser ist Schwabe, Württemberger, in Tübingen geboren, in Stuttgart gestorben und beerdigt. Von 73 Jahren seines Lebens in unterschiedlichen deutschen Großstädten hat er 8 hier in Frankfurt am Main verbracht. Die Martin-Elsaesser-Stiftung ist eine Frankfurter Stiftung.

Als ME 1925 nach Frankfurt kam, hat er gleich zu Beginn seiner Zeit als Stadtbaudirektor ein Haus für seine Familie gebaut. Dieses Haus nimmt heute die MES sozusagen unter seine Fittiche. Generalkonsul Bucher hat die Großzügigkeit und Gastfreundschaft seines Vorgängers gleich zu Beginn seiner Amtszeit hier in Frankfurt fortgesetzt und uns, den Erben ME’s, mit der Veröffentlichung der Stiftung diesen historischen Ort als Obdach angeboten.

Herr Bucher hat ja eingangs schon auf die detailgetreue und sorgfältige Renovierung dieses Hauses durch die Schweizerische Eidgenossenschaft hingewiesen, die auch unter denkmalschützerischem Aspekt beispielhaft zu nennen ist.

Das ehemalige Wohnhaus von ME hat Ende der zwanziger Jahre am Rand von Frankfurt gelegen, in einem dritten oder vierten Radius der Erweiterung der alten Wallanlagen der Stadt Frankfurt nach außen. Was mit dem Bau der Villen der Rothschilds und Bethmanns in den 1830 Jahren, also knapp hundert Jahre davor, in der Überschreitung der mittelalterlichen Stadtgrenzen gewagt worden war, hat ME damit geschichtsbewusst und visionär aufgegriffen. Er hat sein Wohnhaus auf eine Art Grenze gesetzt, hinein in die Erweiterung der Frankfurter Wohngebiete rings um die alten Stadtquartiere, die in den Folgejahren dann wesentlich die Gestalt des Neuen Frankfurt bildet. An der Grenze ist Energie. ME hat sein Wohnhaus eingefügt in die neuen Wohngürtel für einfache Menschen, die nach Krieg und Teuerung ein Dach über dem Kopf brauchten. Diese Behausungsstrategie hat er mitgestaltet mit öffentlichen Bauten, mit Schulen, Schwimmbädern, Klinikbauten und mit zwei Kirchen, der kleinen Kirche in Niederursel im alten Dorfkern und der großen „Gemieskersch“, wie die Frankfurter die Großmarkthalle (GMH) am Ostrand der Stadt liebevoll und zutreffend genannt haben.

Die MES ist eine Frankfurter Stiftung, weil ME mit seinem Beitrag zum Neuen Frankfurt die Bezüge von Zentrum und Peripherie neu komponiert und inszeniert hat. Sie ist eine Frankfurter Stiftung auch deshalb, weil ME’s Schaffen hier seinen Höhepunkt hat,– sozusagen sein biografisches und künstlerisches Zentrum, denn ME war hier zwischen seinem 40. und 48. Lebensjahr tätig, bevor er dann von den Nationalsozialisten aus seiner viel versprechenden Karriere als einer der großen Architekten der deutschen Moderne gedrängt wurde (und dies schon vor der offiziell so genannten Machtergreifung, in den Jahren 1931 / 32, nach dem Weggang von Ernst May, vor der kurz darauf nachfolgenden Amtsenthebung von OB Ludwig Landmann.)

Die MES hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Mitte seines Werkes zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen. Sie ist finanziell ermöglicht worden durch eine außergewöhnliche Kooperation – seitens zweier Enkel von ME, seitens der Stadt Frankfurt am Main und seitens der Europäischen Zentralbank EZB als der gegenwärtigen Eigentümerin und künftigen Nutzerin der ehemaligen GMH. Diese Kooperation von einer Familie, einer Stadt, einer europäischen Institution und heute auch der Botschaft eine zentraleuropäischen Landes (der Schweiz) ist wohl ziemlich einmalig, aber auch beispielhaft. Wie im damaligen Wohnhaus auf der Grenze des Stadtgebietes, so fließen auch hier verschiedene Aktivitäten und Energien zusammen, die für die Zukunft der Gestaltung urbaner Lebensräume in Europa von fundamentaler Bedeutung sind.

Anschließend sprach Dr. Thomas Elsaesser, 1. Vorsitzender der Stiftung

Mein Name ist Thomas Elsaesser und ich bin einer der vielen – ich zähle sieben: herzlich willkommen! – hier versammelten Enkel von Martin Elsaesser. Auch ich möchte mich zu allererst bei unseren Gastgebern, Herrn Generalkonsul Bucher und seiner Frau, bedanken, dass sie uns heute Nachmittag so spontan und so kurz nach ihrer eigenen Ankunft in Frankfurt ihr Haus geöffnet haben. Außerdem möchte ich Konrad danken, der gerade so passende Worte gefunden hat, die Verbindung der Stiftung zur Stadt Frankfurt am Thema Zentrum und Peripherie zu verdeutlichen. Als Theologe kennt er natürlich auch den venerablen Bischof Nikolaus von Kues, der – ganz hier in der Nähe, in Bernkastel geboren – die Allgegenwärtigkeit des Schöpfers dahingehend erklärt hat, dass Gott das Zentrum der Welt und zugleich die unendliche Peripherie derselben ist. Soweit vor wollen wir uns mit der Stiftung nicht wagen, aber sie hat trotzdem die Absicht, in den kommenden Jahren ihre Existenz als eine Präsenz in vielfältiger Weise und an verschiedenen Orten unter Beweis zu stellen.

Die Gründung einer Martin Elsaesser Stiftung ist zunächst die logische Folge unserer Einigung mit der Stadt Frankfurt und der Europäischen Zentralbank. Sie stellte sich schließlich nach langen Verhandlungen als das geeignete Instrument heraus, in einer für die Beteiligten gewiss nicht angenehmen Situation, uns auf einer Ebene näher zu kommen, auf der es trotz unterschiedlicher Interessen, Prämissen und Prioritäten, eine gemeinsame Verpflichtung geben konnte: nämlich mit dem künstlerischen und architektonischen Erbe Martin Elsaessers respektvoll, sorgfältig und historisch bewusst umzugehen.

Die Stiftung ist in diesem Sinne aber keine Erbengemeinschaft, die Rechte einfordert, sondern sie will ihr Augenmerk auf zukünftige Arbeit und Aufgaben richten. Sie betrachtet die ideelle Nachlassenschaft als gleichermaßen wichtig wie die physische Erhaltung der von Martin Elsaesser entworfenen Bauten. Die Stiftung setzt sich zusammen aus einem Vorstand, dem wir hoffen, bald einen internationalen Beirat zur Seite stellen zu können. Neben mir besteht der Vorstand besteht aus Konrad Elsaesser, der im entscheidenden Moment und vor Ort die Initiative ergriffen hat, und aus meiner Schwester Regine Elsaesser, die in den letzten zwei Jahren unsere Aktivitäten koordiniert und auch den Kontakt mit der weiteren Familie geknüpft hat.

Die Stiftung ist also zunächst mit ihrer primären Aufgabe beschäftigt, d.h. die Bauten und die in ihnen zu Ausdruck und zu Form gekommenen Ideen Martin Elsaessers für die Nachwelt zu erhalten. Das bedeutet konkret, erst einmal die Daten, Dokumente und Spuren seines Leben zu sichern. Dann heißt es, die Bestände, die mittelbar und unmittelbar zu seinem Werk gehören und die an mehreren Orten seines Wirkens verstreut sind, zu sammeln, zu sichten und auf zeitgemäße Weise zugänglich zu machen. Martin Elsaesser war aktiv als Architekt und Lehrer in Stuttgart und Tübingen, Köln und Frankfurt, Hamburg und München. Dazu kommen seine langen Jahre in Berlin und mehrere kürzere Aufenthalte in der Türkei, vor allem in Ankara. Der größte Teil seines Archivs ist nach seinem Tod in die Bestände der Technischen Hochschule in München, an der er in den acht Jahre bis zu seiner Pensionierung als Professor für Baukunst und Entwerfen wirkte, eingegangen. Es wird also auch zu den Aufgaben der Stiftung gehören, mit der Leitung und den Mitarbeitern des Architekturmuseums der TU München eine Zusammenarbeit anzustreben. Die ersten Kontakte, die sich in der Vorbereitungsphase der ab Ende dieser Woche geöffneten Ausstellung im DAM ergaben, stimmen uns in dieser Hinsicht positiv. Das gute Einverständnis mit München ist vor allem Herrn Cachola Schmal, Frau Gräwe und Herrn Schilling zu danken. Die geographisch weit verstreuten, sich oft in fragilem Zustand befindlichen und nicht immer leicht zugänglichen Materialien wiederum verlangen, dass die Stiftung eine Internet-Präsenz für Martin Elsaesser aufbaut. Sie wird Foto- und Film-Material digitalisieren müssen, seine Schriften edieren, publizieren oder zumindest elektronisch zugänglich machen, und sie wird versuchen, alle seine Gebäude mustergültig dokumentieren. Ein erstes Vorbild war mir die von Dr Jörg Schilling mit betreute Arbeit „Haus K. in O. – Eine Villa von Martin Elsaesser für Philipp F. Reemtsma“, nun komplementiert durch den die gleichnamige Ausstellung begleitenden Band „Martin Elsaesser und das Neue Frankfurt“, und – so hoffen und planen wir – bald gefolgt von einem dritten Band, der die noch vor dem 1. Weltkrieg entstandenen Bauten im Raum Stuttgart und Tübingen – ein ebenfalls Schulen, Kirchen, eine Markthalle, sowie Privathäuser und sogar Brücken umfassende Werk – wissenschaftlich aufarbeitet und dokumentiert. Neben dieser editorischen und historisch-kritischen Arbeit ist der Stiftung daran gelegen, auch die Fachwelt und insbesondere eine jüngere Generation von Architektur¬studenten anzusprechen und mit ihnen über einige der generellen Vorstellungen Martin Elsaessers zur Baukunst, dem Design und dem Ingenieurswesen in die Diskussion zu kommen. Die Stiftung wird deshalb einen aktiven intellektuellen und materiellen Beitrag zu dem im Februar 2010 im Rahmen der DAM Ausstellung stattfindenden internationalen Kongress liefern, und hofft auch, im gleichen Jahr noch in Istanbul eine kleinere Veranstaltung mittragen zu können.

Meine eigenen Bemühungen, die Erinnerung an Martin Elsaesser gerade in Frankfurt nicht verblassen zu lassen, gehen über zwei Jahrzehnte zurück, als ich bei einem Treffen Mitte der 80er Jahre Heinrich Klotz kennen lernte, der die Idee einer Martin Elsaesser Ausstellung im damals neu gestalteten Haus des Deutschen Architektur Museum begrüßte, der allerdings zu jenem Zeitpunkt schon mit der Gründung des ZKM in Karlruhe vollauf beschäftigt war. Umso erfreuter war ich, als ich über meine Schwester einige Jahre später von einer Initiative erfuhr, die vom DAM und ihrem damaligen Leiter, Vittorio Magnago Lampugnani mitgetragen wurde, die aber meines Wissens von einem der führenden Architekten Frankfurts initiiert wurde, nämlich der Idee, Martin Elsaesser durch die Auslobung einer nach ihm benannten Plakette durch den BDA-Hessen, Sektion Frankfurt ein Denkmal zu setzen. Dieser führende Architekt war niemand anders als Professor Christoph Mäckler, und so fand schon 1993 aus Anlass der Feier zur ersten Verleihung der Plakette ein kleines Symposium zum Wirken in, und zur Bedeutung für Frankfurt von Martin Elsaesser statt.
Es scheint mir deshalb besonders passend, und ist mir, im Namen der Stiftung, eine große Genugtuung, dass Herr Mäckler sich bereit gefunden hat, heute hier einige Worte an uns zu richten. Er erweist sich damit wieder einmal als hervorragender Fürsprecher für die Sache, die der Stiftung zugrunde liegt, sowohl was den baulichen Beitrag, den Martin Elsaesser in Frankfurt geleistet hat, betrifft, als auch für die Ideen und Ideale, von denen die Stiftung hofft, dass sie eines Tages wie von selbst mit dem Namen Elsaesser verbunden sein werden. Christoph Mäkler war so etwas wie ein Pate der Martin Elsaesser Stiftung: er hat uns Mut gemacht, gut zugeredet und eloquent seinen Standpunkt vertreten. Ich habe nun die Ehre, ihm das Wort geben zu dürfen.

Es scheint mir deshalb besonders passend, und ist mir, im Namen der Stiftung, eine große Genugtuung, dass Herr Mäckler sich bereit gefunden hat, heute hier einige Worte an uns zu richten. Er erweist sich damit wieder einmal als hervorragender Fürsprecher für die Sache, die der Stiftung zugrunde liegt, sowohl was den baulichen Beitrag, den Martin Elsaesser in Frankfurt geleistet hat, betrifft, als auch für die Ideen und Ideale, von denen die Stiftung hofft, dass sie eines Tages wie von selbst mit dem Namen Elsaesser verbunden sein werden. Christoph Mäkler war so etwas wie ein Pate der Martin Elsaesser Stiftung: er hat uns Mut gemacht, gut zugeredet und eloquent seinen Standpunkt vertreten. Ich habe nun die Ehre, ihm das Wort geben zu dürfen.

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