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Ausstellung in Augsburg eröffnet

Die Augsburger Allgemeine berichtet:

Architekt der schlichten Größe

Martin Elsaesser war der Pionier des modernen evangelischen Kirchenbaus. Das Architekturmuseum würdigt nun die protestantischen „Weihestätten“ des Schwaben Von Alois Knoller  (http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Architekt-der-schlichten-Groesse-id31414572.html)

 

Eine neue evangelische Kirchenarchitektur hat Martin Elsaesser entwickelt. Einem Festsaal gleicht seine Stadtkirche Stuttgart-Gaisburg von 1913.

Martin Elsaesser war gerade 21 und Student an der Technischen Hochschule München bei Friedrich von Thiersch, als er 1905 seinen ersten Architekturwettbewerb gewann. Die Lutherkirche in Baden-Baden/Lichtental sollte der Anfang einer beachtlichen Reihe evangelischer Kirchenbauten im sogenannten süddeutschen Reformstil werden. Ihr Merkmal war „schlichte Größe“ einer Weihestätte, „wo in Symbolen Unaussprechliches uns nahetritt“. Das Architekturmuseum Schwaben hat dem Württemberger Schwaben seine neue Ausstellung gewidmet.

Elsaesser stieß sich daran, dass lutherische Kirchen in ihrer baulichen Anlage im wesentlichen immer noch den katholischen glichen, also mit Ausrichtung auf den kultischen Ort, den Hochaltar. Er dagegen dachte an die Gemeinde, die sich hörend, betend, singend versammelte. Für sie entwarf Elsaesser zentrale Konzepte, Kirchenräume in Form des Ovals oder der Ellipse. Am eindrucksvollsten realisierte er die Idee 1913 in der Stadtkirche in Stuttgart-Gaisburg, ein eleganter ovaler Festsaal mit klassizistischen Anklängen, die Deckenschale getragen von schlanken, malachitgrünen Pfeilern mit dorischen Kapitellen. Der Altar ist nahezu integriert dank eines im Scheitel umlaufenden Chorgestühls. Darüber eine gediegene, jedoch nicht sakral überhöhte Ausmalung im Jugendstil. Überhaupt dachte er durchaus an Dekor seiner Zeit – mit Lampen und Gittern im Stil des Art deco, mit Kirchenbänken, die mit eingelegten andersfarbenen Leisten akzentuiert waren. Elsaesser verwendete für schwäbische Fassaden bereits Rohbackstein zu einer Zeit, als das Material gerade erst in Hamburg entdeckt wurde.

Wo er durch vorhandene historische Gebäude gebunden war, näherte der Architekt sich wenigstens mit dem Einbau neuer Emporen an seine Vorstellung einer Gemeindekirche. Schon in seiner Lutherkirche in Lichtental lief die Empore ringsum. Oder Elsaesser setzte Holzdecken in Form eines umgekehrten Schiffsbauches ein. Wie er überhaupt gern auf Formen mittelalterlicher Kathedralen zurückgriff mit langgezogenen Fenstern, mit Stützpfeilern und mit dem Zauber des Lichtes.

Wert legte Elsaesser auf funktionale Kirchen, weshalb er die Feier- von der Predigtkirche abtrennte. Sie ist oft intimer im Zuschnitt, auch dunkler in der Lichtführung, ohne sie freilich vollständig vom Raum des heiligen Wortes abzutrennen. In der Südkirche Esslingen legte er die Feierkirche wie eine Muschel hinein. Ihre flache Kuppel gliederte er mit strahlenförmigen Rippen. Eine originelle Lösung fand er in Großgartach: Die Stirnseite zeigt zwei Portale mit Rundbogen – das eine führt zum Taufstein im Turm, das andere in den neu angefügten Gemeindesaal. Und dazwischen steht beengt der Altar.

Als Amtsleiter plante er auch das neue Frankfurt

Den Schlusspunkt seiner Sakralarchitektur setzte Martin Elsaesser eindrucksvoll 1928 im Frankfurter Stadtteil Niederursel. Die Gustav-Adolf-Kirche hat ein Achteck zum Grundriss mit einem hoch aufragenden, rechteckigen Turm. Der Raum wird von einem umlaufenden Fensterband in ziemlicher Höhe indirekt beleuchtet. Elsaesser sah sich als Verfechter einer gegenwartsbezogenen Architektur, die funktionale Erfordernisse mit transzendenten Aussagen zu verbinden versuchte. Die Maxime seiner Kirchenbaukunst lautete: „Die Nüchternheit moderner Bauweise kann in der Hand des Künstlers zu einer heiligen Nüchternheit werden voll religiösen Ausdrucks, voll religiöser Andacht, voll erschütternder Größe“. Es gehe darum, den „ewigen Gottesgedanken“ im Kirchenraum „zu voller und starker Auswirkung“ zu bringen.

Martin Elsaesser (1884 – 1957) baute mehr als Kirchen. Seine Markthalle in Stuttgart (1912) und besonders die Großmarkthalle in Frankfurt (1927) wurden Ikonen moderner Architektur. Gerade in der Mainmetropole setzte er als Chef des Hochbauamtes zahlreiche Akzente mit öffentlichen Gebäuden. Die Erinnerung an ihn hält seit 1989 die Martin-Elsaesser-Stiftung wach, deren Mitarbeiter Jörg Schilling auch diese Ausstellung im Architekturmuseum kuratierte.

Thelottstr. 11, Tel. 0821/2281830; Laufzeit bis 23. November, geöffnet Dienstag bis Sonntag 14 – 18 Uhr.

 

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