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Martin-Elsässer-Platz in Frankfurt eingeweiht

 

Aus Sicht der Martin-Elsaesser-Stiftung - heute sind wir zu dritt hier als Vorstand komplett – stehen für mich mit der heutigen Einweihung des ME Platzes vor allem zwei Themen im Vordergrund:

  • Platzzuweisung und
  • Grundsteinlegung

Es sind beides fundamentale stadtplanerische und baulich-architektonische  Tätigkeiten. Für uns als MES ist es elementar, dass unser Namensgeber ME hier in der Stadt Frankfurt, und hier zum allerersten Mal, einen Platz mit seinem Namen bekommt. Es gibt viele Elsässer-Plätze, aber nur diesen einen Martin-Elsässer-Platz. Mich freut diese Lage besonders, dort vorne gibt es schon den ME-Weg, neben der Uhlandstraße, Uhland, dem schwäbischen Dichter aus Tübingen; und mit Sonnemann sozusagen zwischen zwei liberalen Gründungsmitgliedern der Paulskirchenbewegung. Hier hat Martin Elsaesser jetzt eine reale Domain, nicht bloß eine virtuelle.

Die Stadt Frankfurt hat mit dem ME-Platz dem Architekten und Baukünstler ME einen eigenen topografischen Platz eingeräumt im Gedächtnis der Stadtgesellschaft. Sein Ort war in der Stadt seit dem unerfreulichen Abgang von ME 1932 bestritten und beschädigt. Um so erfreulicher ist es, dass es nun heute diesen Platz gibt , 83 Jahre nach dem Neuen Frankfurt, der Ära von Ludwig Landmann, Ernst May und Martin Elsaesser, und 6 Jahre nach Gründung der MES!

 

 In der Gestaltung des Platzes sehe ich eine metaphorische neuerliche Grundsteinlegung aller von ME in Frankfurt realisierten Gebäude.

Die Skulpturen hier von Auslender und Luttropp zeigen alle von ME in Frankfurt in den späten 1920 Jahren realisierte Gebäude:

die vier Schulen, das Palmengarten-Gesellschaftshaus, das Schwimmbad Fechenheim, das Bootshaus der Universität, die Nervenheilanstalt, die heutige Psychiatrie in Niederrad; die nahe liegende GMH neben er EZB, sein Wohnhaus, Haus Höhenblick, die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel, bei der jetzt der spannende Renovierungsprozess beginnt. Es fehlen Röntgen-Institut von 1928 und Kinderklinik von 1929, beide im Krieg zerstört. Weitere Gebäude waren geplant, wie Rathaus, Kunstgewerbeschule, Bibliothek, konnten aber nach der Weltwirtschaftskrise und den sich ändernden politischen Bedingungen nicht mehr realisiert werden.

Wir sehen die Grundsteine von 11 Gebäuden aus siebenjähriger Frankfurter Tätigkeit von ME. 11 Stelen. Grundsteine für 11 Gebäude? Es könnten auch 12 Stelen sein, nämlich mit der Direktorenvilla neben der Psychiatrie in Niederrad.  Wenn man großzügig ist, lässt sie sich der Nervenheilanstalt zurechnen – dann wäre sie mit der dortigen (Ü ) Stele repräsentiert.

Auf gewisse Weise potenziert diese Stele hier am  Martin-Elsässer-Platz die Fragestellung von Ortsgedächtnis und Zugänglichkeit. Die Direktorenvilla ist das einzige denkmalgeschützte bürgerliche Wohnhaus des „Neuen Frankfurt“, das sich im Besitz der öffentlichen Hand befindet. In sie soll jetzt das Edinger-Instituts mit einer Tiergehirnsammlung einziehen.

Die Martin-Elsaesser-Stiftung sieht in der Direktorenvilla eine andere Bedeutung,  eine andere Nutzung. Sie könnte der  architekturhistorische Ort in der Museumslandschaft und im Gedächtnis der Stadt sein, ein Museum oder ein Ausstellungsraum für das Neue Frankfurt, für die innovative architektonische Vielfalt der zweiten Hälfte der 1920er Jahre hier in Frankfurt.

Für Platzzuweisung und Grundsteinlegung für Martin Elsaesser danke ich den Repräsentanten der Stadt Frankfurt, Herrn Verkehrsdezernent Majer, Herrn Bürgermeister Cunitz, Herrn Kulturdezernent Professor Semmelroth, Herrn Pfaff-Greifenhagen. Ich danke der Arbeitsgruppe aus den entsprechenden Ämtern und den Gestaltern, Professor Auslender und Herrn Luttropp und Architekt Neu. Und ich danke den Bauarbeitern, doie in der Sommerhitze den Platz angelegt und fertiggestellt haben.

Sobald auch die Bäume gepflanzt sind und die Bänke gut zu besetzen sind, hoffen wir, dass die Nachbarschaft, wie z. B. Josef Becker oder die Studierenden der FSF, oder die Kinder von der nahen KiTA, den Platz beleben. Dass er ein Ort für Konvivialität wird, für gutes Zusammenleben.

Noch ist er eine Heterotopie, ein „Ander-Ort“. Dieser Begriff von Michel Foucault, Heterotopie, weist auf heteros, anders, und Topos, Ort, und meint einen Ort, der Gegensätzliches vereint. Es gibt Räume, die in besonderer Weise gesellschaftliche Verhaltensweisen reflektieren, indem sie sie umkehren. Heterotopien sind wirksame Orte, sozusagen Gegenplatzierungen: leer – mit Gebäuden bewohnt; ein kleiner dreieckiger Platz – der doch das große Neue Frankfurt vergegenwärtigt; schräg und doch eben; der Mobilitätsachse Sonnemannstraße als Ruheinsel eingefügt; mit vielfältigen Verweisen von Grundsteinen und doch eindeutiger Vorstellung von Architektur; kaum beschritten und neu – und doch aufgeladen mit Geschichte. Platzzuweisung und Grundsteinlegung.

Wir weihen heute diesen Ort als Martin-Elsässer-Platz ein. Kann ein Platz etwas Besseres sein als ein Raum, von dem etwas ausgeht?

Konrad Elsässer, 14. 7. 2015

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